- realfiktion
- 2. Dez. 2024
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Aktualisiert: 20. Feb. 2025
13.04.2019
Realitätsprüfung.
(1) Dissoziative Starre, als an der Kasse im U-Bahn-Kiosk Feldstraße plötzlich und unerwartet der Verkäufer vom S-Bahn-Kiosk Neuwiedenthal bedient. Gehirn verständnislos im Leerlauf, fast so, als sähe es vor sich einen wiederauferstandenen Toten. Er muss den Preis wiederholen, dann lässt die Derealisation nach. Bezahlt; zwei von vier Hanuta noch im Kiosk gegessen; langsam beruhigt.
(2) Mildere Verlaufsform beim Treffen mit dem zehn Jahre nicht gesehenen Ex. Die RZB endete damals im Blutbad, aber Zeit heilt alle Wunden. Freundliches Einvernehmen, auch wenn wir inzwischen ganz andere Wege gegangen sind. Er: Ehegatte, Wohneigentum, mittleres Management, ich: nichts davon.
(3) Ach, was habe ich gemacht aus meinem Leben? Kleingeistig sofort Liste der Sachen angelegt, die ich habe und er nicht. Ergebnis: meine Kleingeistigkeit, zwei Hanuta, und die Liste selbst. (Die Hanuta dann auch noch gegessen.)
(4) Bis abends dienstliche Vorbereitung, Romantheorie (Migner, Koschorke). Erfahrung wichtiger als Wirklichkeit; Hoheit über das Erzählen ist Definitionsmacht über die Wirklichkeit. „Bei hinreichender Geschicklichkeit […] können aus einer erzählten Vergangenheit […] Realitäten gefolgert werden, die es ohne das betreffende Narrativ überhaupt nicht gäbe.“


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