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  • realfiktion
  • 22. Nov. 2024
  • 1 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 15. Feb. 2025

14.04.2018

Die Einsamkeit des Straßenbahnwagens.

(1) Tagsüber unermüdlich auf und ab zwischen Bairro Alto und Fluss, stets zu Diensten den Erschöpften und Beladenen. Um Mitternacht, unverändert duldsam und bescheiden, im Zentrum der Aufmerksamkeit: belagert von ausgelassen feiernden Jungmenschen, die ihn für Selfies umarmen. Früh um halb sechs: mutterseelenallein in Regen und Wind, stumm am Abhang angeklammert, von niemandem mehr gebraucht und beachtet. Seine neuen Freunde sind verschwunden, haben ihn zurückgelassen und vergessen. Die gemeinsamen Fotos werden sie löschen, ohne sie auch nur einmal anzusehen. Das sichere Depot derweil unerreichbar fern, der Stromabnehmer tastet hilflos ins Leere: die Oberleitung ist abgestellt, das Gleis von Müll versperrt. Der Regen wird stärker. Geschlossene Türen, dunkle Fenster ringsum. Nur die Casa Liège verstrahlt, unbewegt wie eh und je, ihr kaltes, belgisches Blau –

(2) Notiz an mich selbst: du bist ja betrunken!


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