15.08.2026
(1) 400.000 fröhlich kostümierte Erkneraner auf dem Rückweg von „Rave the Planet“ (mittlerweile eine GmbH, die von Insolvenzanwälten vertreten wird). Leider alle auch bisschen angetrunken und laut, weshalb es schier unmöglich ist ihnen mitzuteilen, dass „to rave“ intransitiv ist und kein direktes Objekt nach sich ziehen kann. Aber wenn der Veranstalter seit fünfzehn Jahren immer wieder neu betonen muss, er sei gar kein Rassist, kein Antisemit, kein Covid-Querdenker und nicht schwulenfeindlich, sondern habe sich nur falsch ausgedrückt, ist vielleicht egal, dass er auch noch schlechtes Englisch spricht. Den Künstler immer vom Werk trennen.
(2) Vom Ostbahnhof ins Lab. Vor fünfzehn Jahren umzu noch alles Gewerberuinen und Freiraum, jetzt die letzten Brachen mit Büros gefüllt – auch dies das Ende einer Berlin-Geschichte, nur die Berghain-Schlange ist noch da, und ich selbst.
(3) Mal wieder geflohen vor den Männern in Hamburg: vor dem Nietzsche-Jünger mit den starken Meinungen. Vor dem fanatischen Doris-Day-Verehrer, der alles Queere hasst und sich statt mit Namen mit den Worten einführt „Mag gerne anal blasen massieren Sperma küssen“ – Cathy Timberlake wird wieder Ausschlag bekommen, wenn sie das hört. Und vor denen, die (wie taktlos!) immer gleich kuscheln wollen.
(4) Wie schnell füllt sich dagegen meine Tanzkarte im Lab – die Weite der Weltstadt, trotz allem.
(5) Schlendernd heim, den Kanal entlang unter klarem Auguststernenhimmel, das Licht der Gaslaternen zwinkert golden und man trägt den Pissegestank der Party noch mit sich: ozeanisches Gefühl. Geht doch.


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