- realfiktion
- 11. Dez. 2024
- 1 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 21. Feb. 2025
17.10.2020
Oktoberfest.
(1) Im Dunkeln durch unnatürliche Schreie geweckt, halbbewusstes Stirnrunzeln, aber zum Glück wieder eingeschlafen. Die Arbeit der Nacht. Mittagskaffee und Zigarette, über eine Stunde hält sich ein Sonnenrest, wärmt noch einmal den Balkon auf, die letzten Wespen der Stadt kommen zum Sterben vorbei. Plötzlich wieder die gleichen Schreie – am Himmel, in schöner Keilformation, der Grund: Gänse nehmen den Sommer mit.
(2) Früher war mehr Moor. Die Sümpfe von Eppendorf fast ausgetrocknet; schon im Sommer Dürre überall, vom Wendland bis Rheinland: Weizen nur kniehoch, Gerste mit Rasenmähern zu ernten, Rüben so klein wie Murmeln. Adé Pestjahr 2020, hallo 2021, Jahr der Mehl-, Zucker- und Biernot! (Und Pest.)
(3) Ein Eisvogel, im Tiefflug quer übers Moor, wie blau-metallisch leuchtende Drohne. Gibt es etwas Unnatürlicheres als Natur?
(4) Behaglichkeitsbewegungen: „Graugänse haben ein auch für andere Wasservögel typisches reiches Repertoire an Komfortverhalten. Dazu zählen Untertauchen und auch eine Art Purzelbaum, bei der der Vogel vorwärts unter sich selbst abtaucht und beim Auftauchen eine halbe Drehung um die Längsachse vollführt, so dass er entgegen seiner Ausgangsrichtung wieder zum Schwimmen kommt.“ Und dann der freie Flug auf andere Kontinente! Die Gans, das Komforttier.
(5) Vorwärts unter sich selbst abtauchen: Trance und Besessenheit, Traumglück aus Körperrausch und zufälliger Nähe und Intensität des Augenblicks – dafür waren unsere Nächte da.
(6) „Sie können ja mit Ihrer Partnerin zuhause tanzen.“ (Marie Antoinette Söder)
(7) Vielleicht all dies auch nur harte Nachhilfe: die Natur gibt zu verstehen, dass es mit dem Feiern und Jungsein nun aber wirklich mal ein Ende hat. Adé Jugend, hallo – Schreberjugend!


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