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  • realfiktion
  • 12. Dez. 2024
  • 1 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 21. Feb. 2025

18.01.2021

In Erwartung von Virusvariante B117.

(1) Sicherung des Alltags durch Routinen. Der Turnus der Spazierwege, einmal die Woche verordnetes Anfassenlassen (Physiotherapeut).

(2) Täglicher Dramenhöhepunkt: Anagnorisis quer über die Bäckereitheke. „Haha, ich erkenn Sie wieder! Haha, wieder ein ‚Zimt-Michel‘, stimmts?“ - „Bitte nennen Sie es nicht so.“ – „Haha! Sie sind mir einer!” – „Ja.” Ansonsten viel Rückschau auf verpasste Lebensmomente: Was wäre gewesen, wenn?

(3) Auch Kulturüberdruss, d. h. jetzt immer FAZ-Finanzteil statt Feuilleton: Metaphysische Zahlenkolonnen, Märkte trauern um Merz, Analysten raten Anlegern zum weltweiten Wachstumssektor Psychiatrie.

(4) Seit Monaten Verzicht auf Bier (Geselligkeitsgetränk); behutsame Erkundung der nie angerührten Geschenkkisten voller Wein (Einsamkeitsgetränk), gleich darauf entschlossene Investition in ein Weinregal.

(5) „Oh, mein Weinregal kommt! Woohooo! Bitte den Anhang lesen, Tschüs!“ – Beim Türklingeln des Lieferanten sofort und mitten im Thema das Zoom-Meeting abzubrechen? Rückblickend vielleicht ein Fehler, aber Routinen reichen eben nicht. Ich hoffe, man verzeiht mir irgendwann alle meine Ekstasen.

(6) Wie auch ich allen anderen alles andere gern verziehen hätte.


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