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  • realfiktion
  • 22. Nov. 2024
  • 1 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 15. Feb. 2025

19.04.2018

Melancholie und Gesellschaft.

(1) Die vielen Menschen, die auf der Straße mit ihren Hunden portugiesisch sprechen, in diesem müden, dunklen, leicht klagenden Tonfall. Durch den Verfremdungseffekt plötzlich einleuchtend, dass Hunde nie irgendwas verstehen, sondern immer nur so tun (weil sie ja wiederum so klug sind). Selbst aber vom Klang dieser Sprache wie hypnotisiert.

(2) Am Ende der Nacht werden Nummern ausgetauscht, aber unter seiner ist niemand erreichbar: „O número que você chamou está indisponível“ sagt eine automatische Frauenstimme. Aber wie sie es sagt! Tief und rauchig, sanft dahinfließend zwischen Sehnsucht und Lebensüberdruss. Perverse Lust, die Ansage immer und immer wieder zu hören, bis die kleine Enttäuschung sich auflöst in etwas Größerem.

(3) Selbst der Wetterbericht auf RTP klingt wie der Trailer zu einem Filmmelodram: mit heiserer, düsterer Leidenschaft informiert die Sprecherin über Höchsttemperatur und Niederschlagswahrscheinlichkeit, Windrichtung, Tragik und Tod.

(4) Linie 734, Graça bis Martim Moniz, nach dem Feierabendverkehr; der Busfahrer hört Radio und wiegt sich leicht zu ‚Drive’ von The Cars, ausgerechnet. “Who's gonna tell you when it's too late / Who's gonna tell you things aren't so great. // You can't go on, thinkin' nothing's wrong, but bye / Who's gonna drive you home tonight?”

(5) Schlafzimmerblick auf den Tejo. (Aber Schlafenszeit ist erst morgen früh; jetzt erstmal neue Nummern sammeln.)


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