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  • realfiktion
  • 8. Dez. 2024
  • 1 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 21. Feb. 2025

23.06.2020

Wie deutsch ist es? (Teil III)

(1) Wie man sich immer noch als pulsierende Metropole sieht, weil 1962 mal die Beatles zu Besuch hier waren: OK. Wie man sich immer noch gegenseitig zuraunt, dass irgendjemand, der hier geboren wurde, sogar irgendwann mal irgendwo anders fast berühmt geworden wäre: OK. Wie man sich immer noch selbst damit beeindruckt, dass moderne Häuser hier pfiffigerweise wie Schiffe aussehen: nicht OK. Ein und derselbe Einfall seit einhundert öden Jahren: „Lasst es wie einen Bug oder Brücke oder Bullauge oder Segel aussehen!“ – „Pfiffig!“

(2) Funktionsbauten der Gründerzeit auch in Hamburg meistens überformt wie kleine Schlösschen, architektonische Abwehrgeste einer rückwärtsgewandten Gesellschaft. Heutige Funktionsbauten: an Land festgemauerte Schiffe, Symbol für vorgetäuschte Weltläufigkeit, die so tut, als sei sie kosmopolitisch, sich aber doch nie auf andere zubewegt. Am liebsten mag man eben Schiffe, die nirgendwo hinfahren und vor allem von nirgendwo her – da könnte ja jeder kommen. Puh!

(3) Erweitertes Symbol auch für diesen Sommer 2020, mit Reisen im engsten Radius. Sauerland statt Hollywood, Harz statt Long Island, Bad Bramstedt statt Bronx. Ich statt andere. OMFG.



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