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  • realfiktion
  • 23. Nov. 2024
  • 1 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 24. Jan. 2025

26.05.2018

A Quiet Place. Wenige Blocks vom Broadway-Lärm entfernt: eine andere Welt. Harmonisches Surren der Elektrobusse; konventionelle PKWs fahren derart langsam, dass man von ihrem Motor nur ein Säuseln hört – und bremsen alle zehn Meter sanft ab, um nur ja niemandem den Weg abzuschneiden. Die Gehsteige wie mit Präzisionswalzen geebnet, entgegenkommende Fußgänger gleiten dahin wie auf Filz, dabei umsichtig und aufmerksam. Mit schmerzlichem Lächeln hauchen sie schon auf fünf Meter Distanz den kanadischen Allzweckgruß ‘sorry!’ über die Lippen, weil sie im Vorbeigehen ja fast denselben Rauminhalt beanspruchen werden müssen wie man selbst. Das gilt hier bereits als übergriffig. Abends führen sie ihre makellos gepflegten Samtpfotenhunde mit, die niemals kacken, oder man sieht sie, schweigend vor Glück, die Blütenpracht ihrer üppigen Rhododendren wässern oder die kleinen öffentlichen Urban-Gardening-Ökoparadiese, die unter den Alleebäumen gedeihen. Bei Sonnenuntergang vielleicht noch eine Stunde Sport auf der Tennisplatz-Allmende, in größter Dezenz und Zurückhaltung, und dann huschen sie in ihre bunten Häuser und schließen die Tür mit einem feinen Klick. Das Leben – auf zauberhafte Weise gedämpft, beherrscht, rundum wattiert und heruntermoderiert bis zur Unhörbarkeit; Schall rückstandsfrei abgesaugt, alle Geräusche verschluckt von Wohlstand.


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