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  • realfiktion
  • 20. Dez. 2024
  • 1 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 31. Jan. 2025

27.01.2023

(1) Am trockensten Ort der Erde: die Hitze lässt selbst das Grundwasser verdunsten, tagsüber knackt das Salzkristall im Gestein. Mittags steht die Sonne hoch im Norden und brennt alles nieder, das sich bewegt.

(2) Lebe jetzt in einer Blockhütte am Rand der Wüstenoase, wo alles staubt und es etwas nach Gas riecht, aber (anders als in Argentinien) kommt aus dem Bankautomaten im Ort echtes Geld – leider in so großen Scheinen, dass niemand wechseln kann. Tagsüber dösen die Hunde im Schatten, in der Dämmerung laufen sie betont geschäftig herum, nachts bellen sie ununterbrochen. Alle.

(3) Wüstenstaub in der Luft, Wüstenstaub an den Fenstern, Wüstenstaub auf dem Boden, Wüstenstaub auf den Möbeln, Wüstenstaub in allen Kleidern.

(4) Andere verfassen in einsamen Blockhütten ihr ontologisches Hauptwerk, ich verbringe Sein und Zeit damit, immer neue Wasserkanister aus dem Minimarkt anzuschleppen, und hinterher Wüstenstaub aus meinen schwarzen Suede-Schuhen zu waschen und Salzkrusten aus meinen schwarzen T-Shirts. Nicht die volkstümlichste Wahl in Sachen Reisegarderobe, aber warum nicht den Leuten hier ein Haltungs-Vorbild sein? Ich würde lieber sterben als praktische Outdoorfunktionskleidung zu tragen, und andere sollten das auch.

(5) Nach Sonnenuntergang dann der Himmel über der Wüste so gigantisch und majestätisch und tiefdunkel, so irr vor Sternen, dass man die Aufregung der Hunde schon verstehen kann. (Sie reden die ganze Nacht sicher über nichts anderes.)


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