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  • realfiktion
  • 30. Nov. 2024
  • 1 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 14. Feb. 2025

29.10.2018

(In Klammern.)

(1) Wer ist der Mann im Spiegel? Wieviel Uhr ist es? Welcher Tag? Übermüdung, Schlaflosigkeit, Anfälle von Kummer, Wut und Stumpfsinn, alles verschwimmt. Dunkelheit beim Verlassen der Wohnung, Dunkelheit bei Rückkehr. Das letzte Mal die Sonne gesehen beim Abschied im Madison Square Park – wie lange her? Auf dem Schreibtisch Stapel bis unter die Decke, täglich Probleme, Termine, heikle Verhandlungen, auch mit mir selbst, bis ich in der Dienststelle mal wieder als letzter das Licht ausknipse.

(2) Nie und mit nichts fertig werden, in manchen Nächten nur vier Stunden Schlaf, in nur zweieinhalb Monaten Erwerbsarbeit um fünf Jahre gealtert. Wer ist der Mann? Welche Woche haben wir? Welchen Monat? Alles so ungemütlich geworden: in der Hand den neusten Drohbrief, wieder unterzeichnet mit vollem Namen, dahinter in Klammern das Wort ‚Sprachwissenschaftler‘. Recherche ergibt allerdings einen Konzertmusiker, der es im Umland unserer kleinen Stadt zu Bekanntheit gebracht hat und von den Regionalzeitungen als „Napoleon der Geige“ gefeiert wird. Kommt auf den nächsten Stapel; keine Zeit für Seltsamkeiten.

(3) Der Mann im Spiegel schüttelt den Kopf.

(4) Draußen Herbst. Alles zerfällt, die Mitte hält nicht mehr. In der U-Bahn tragen sie Taschen voller Rebellenkäse: Zeichen des kommenden Aufstands?


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