- realfiktion
- 25. Aug. 2024
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Aktualisiert: 29. Jan. 2025
30.03.2013
(1) Bisschen sprödes Date, und immer neue Biere aufs Haus, aber man soll ja nicht mit dem [sehr tollen] Barmann flirten – in dessen Gesicht auch kein Signal, nur immer weitere Biere, Biere. [Händeringen.] Gegen sechs ist Schluss. Date läuft nach Osten, Barmann nach Süden, ich erstmal auf die andere Straßenseite. Vom Görli herüber Vogeltöne, grau erfrierende Osterglöckchen. Karfreitagmorgen.
(2) Willkürlich raus aus der U-Bahn, durchs Schneetreiben den menschenleeren Tauentzien entlang. Stolpere ein paar Mal vor Müdigkeit, unwirsch und hilflos gegen jede einzelne Flocke, die auf mein Gesicht fällt. Wie immer, wenn der Schlaf nach dem eigenen Kopf greift, plötzliches Gefühl großer Unwirklichkeit: diese Stadt gibt es gar nicht, die Häuser sind Einbildung, die Straßen Sinnestäuschungen, die absurde Uhrzeit, die vereinzelten Passanten, die mir am Zoo (Zoo?) über die (ausgedachten!) Füße laufen, Illusion. Wie die zwei Phantome, die ich vorhin verabschiedet habe, flüchtig, verstört von der Helligkeit; die Gespräche der Nacht, die Biere, die Blicke: nichts davon hat je stattgefunden.
(3) Oder? In der U1 offenbar noch dies an mich selbst geschrieben: "Du bist wie Rosenkohl, weich, schnell entblättert und im Kern bitter." Bisschen frech!
(4) Zusammengerollt in der Moabiter Mansarde, Blick aufs Gefängnis. Da weiß man, was man hat.


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