- realfiktion
- 13. Dez. 2024
- 1 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 21. Feb. 2025
30.04.2021
Hexensabbat.
(1) Fluch der digitalisierten Dienststelle: ohne Server geht nichts mehr, kein Zugriff, keine Verbindung, kein Empfang, Emails und Dateien verschwinden im Limbo. Unverfügbare Domäne; die Monitore sind leer, das Internet tot.
(2) Von diabolischen Gedanken erfasst, breche ich zum Zeitvertreib Schränke auf und finde Scheren, Mäusefallen, Heißkleber und alte Bibeln – Zufallsglück, das den Tag rettet: Spiele mit Kolleg*innen heitere Charaden mit Szenen aus der spanischen Inquisition. Viel Blut, ja. Aber man kann sich nicht immer in Walgesang und Mandalas versenken.
(3) Im zweiten Schrank das Querschnittsmodell einer Seegurke, im dritten ein vergessener Käse und mehrere Vaseline-Dosen.
(4) Im vierten, unheilvoll glühend, ein Portal zur Unterwelt, das sich geradewegs in den neunten Kreis der Hölle öffnet. Ein Flammenmeer lodert empor aus der Tiefe, Gestank und Gesplitter, fauchende Dämonenwesen beschwören Qualen jenseits aller Alpträume, ohrenbetäubendes Geheul der verlorenen Seelen.
(5) Aber das ist nicht mehr so wichtig. 16 Uhr, Feierabend! Morgen wird schon wieder alles funktionieren.


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