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vor 2 Stunden
1 Min. Lesezeit

30.07.2026

(1) 2am, paranoid reading.

(2) Urfaschismus, Spätfaschismus, Postfaschismus, Neofaschismus, Mikrofaschismus, Technofaschismus, Sattheitsfaschismus, Kolonialfaschismus, Klerikalfaschismus, Demokratischer Faschismus, Posthumaner Faschismus – Rundfahrt auf dem Theoriekarussell, denn wie könnte man nicht, auch wenn es nichts hilft. Es hält nichts auf, es macht nichts gut. Lektüre vielleicht auch purer Trotz gegen Reemtsma, der partout das F-Wort nicht verwendet sehen will, aber nicht ausdrücken konnte, warum. Sehr wortreich, unangenehmer Ton, Eindruck halb jovialer, halb spitzfindiger Herablassung aus großer Ferne, ein bisschen wie Professor Pieixoto, der Akademiker aus der Zukunft im Anhang zu The Handmaid’s Tale. Der dunkelste Teil des Romans, am Ende steht man allein und kalt erwischt von der Banalisierung des Bösen.

(3) Auch für verdiente Sozialforscher gilt wohl: im Alter dunkelt man nach.

(4) Battersea Power Station, zweitschönste Kathedrale Londons, vor dreißig Jahren zum ersten Mal in Richard III. gesehen als hinreißend monströsen Lost Place. Die Battle of Bosworth, verlegt eine Industrieruine in einem bizarr-faschistischen England der Zwischenkriegszeit. Ian McKellen als Richard III. als Oswald Mosley. What’s not to like?

(5) Mittlerweile wurde der ganze Komplex von malaysischen Immobilieninvestoren eingesackt, die Turbinenhalle ist eine riesige Luxus-Mall.

(6) „Die Grundform der Herrschaft ist das Racket“, auch so eine Faschismustheorie. Und da, wo der König lachend ins Höllenfeuer stürzte, sind jetzt High-end Flagship Stores von Clarendon Fine Art, Genesis, Polestar, Rolex, IWC, Omega und Tagheuer. Und Tudor. Auch so ein Anhang, der irgendwie dunkler ist als die Vorgeschichte.



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