- realfiktion
- 13. Nov. 2024
- 1 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 17. Feb. 2025
30.11.2017
Anthropologie.
(1) Es bleibt einiges Unverstandene: Dass die beiden Besucher*innen des Filmmuseums sich ausgerechnet vor der Video-Installation zärtlich küssend umschlingen, die in qualvoller Eindringlichkeit die Treppenszene aus ‚Panzerkreuzer Potemkin‘ wiederholt.
(2) Dass es die jungen Leute am Strand für eine gute Idee halten, ‚Insomnia’ von Faithless mit Tambourine- und Guitarrenbegleitung zu performen. Pausenlos.
(3) Dass die Bar-Bekanntschaft, der ich Zigaretten spendiert habe, mich mit einer undurchschaubaren Liturgie aus High Five, Low Five und Bro Fist zu verabschieden versucht – als ob man zwölf wäre.
(4) Dass irgendjemand auf diesem Planeten auch nur halbwegs zufrieden mit Grindr ist.
(5) Dass der Körper immer längssymmetrisch Fett ansetzt, aber nie quersymmetrisch (ach je).
(6) Dass mich die überbordende Freundlichkeit von Melbourne so einnimmt, das Improvisierte, die Seelenruhe der Frau, die sich in der Linie 86 die Zähne putzt, die stummen Tänzerinnen vom Federation Square.
(7) Dass man vieles Unverstandene auch gar nicht verstehen muss. Warum?
(8) „Er kam spät zu seinem eigenen Leben. Nun nahm es ihn mit. Aber in anderer Weise, als er bisher mitgenommen worden war.“ (Strudlhofstiege)

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